Deutsches Reich, Montag, 10. September 1900
Inland Deutsches Reich Stettin - Kaisermanöver nach Ruhetag weitergeführt Bei   und   um   Stettin   wurden   das   im   August   1900   begonnene   Kaisermanöver nach dem gestrigen Ruhetag weitergeführt. Was   bisher   bei   diesem   Kaisermanöver   geschah   und   bis   12.   Septem - ber   1900   weiter   geschehen   wird,   berichtete   die   “Allgemeine   Schweizerische Militärzeitung”: “An     sämtlichen     Manövern     nahmen teil:   das   Gardekorps   (Berlin),   II.   Armeekorps (Provinz   Pommern),   Teile   des   III.   Branden - burgischen   und   des   XVII.   westpreußischen Armeekorps,   ferner   zwei   Kavallerie-Divisio - nen.   Die   beiden   Parteien   waren,   wie   dies seit   vorigem   Jahre   eingeführt   ist,   mit   “Rot” und   “Blau”   bezeichnet.   “Rot”   war   das   ver - stärkte    II.   Armeekorps    unter    Führung    des Generals    der    Kavallerie    von    Langenbeck. “Blau”   das   ebenfalls   verstärkte   Gardekorps unter   Führung   des   Generals   der   Infanterie von   Bock.   “Rot”   zählte   43   Bataillone   Infante - rie,    40    Schwadronen,    44    Feldbatterien,    7 Kompagnien    technische    Truppen,    sowie    2 Brückentrains.   “Blau”   hingegen:   40,5   Batail - lone     Infanterie,     40     Schwadronen,     37     Feldbatterien,     6     Kompagnien technische Truppen und 3 Feldbrückentrains. ... Die   Grundidee   für   die   diesjährigen   Kaisermanöver   wurde   seitens   der Manöver-Oberleitung wie folgt festgesetzt: a)   Allgemeine   Kriegslage:   Die   blauen   Heere   befinden   sich   fern   von den   Reichsgrenzen,   ein   rotes   Armeekorps   ist   mit   zahlreicher   Kavallerie   am 26. August an der Pommerschen Küste bei Rügenwaldermünde gelandet. b)   Besondere   Kriegslage:   Blau:   Bei   Berlin   wird   das   Gardekorps   -   drei Infanterie-   und   eine   Kavallerie-Division   -   bis   zum   02.   September   mit   dem Auftrage   zusammengezogen,   den   gelandeten   Feind   zurückzuwerfen.   Nach
den   eingegangenen   Nachrichten   war   dieser   am   01.   September   mit   Infante - rie   und Artillerie   bei   Labes   erschienen,   Kavallerie   hatte   sich   hingegen   schon bei Alt-Damm   und   Stargard   gezeigt.   Die   über   Kiel   herbeigeeilte   blaue   Flotte war   von   der   roten   am   31. August   bei Arcona   auf   Rügen   geschlagen   worden, Swinemünde,   Spandau   und   Küstrin   sind   armiert   und   von   blauen   Truppen besetzt.    Rot    -    das    gelandete    II.   Armeekorps    -    vier    Infanterie-    und    eine Kavallerie-Division,   soll   möglichst   schnell   auf   Berlin   vorgehen.   Am   02.   Sep - tember   haben   erreicht:   Die   Kavallerie-Division   A   nebst   Jägerbataillon   Nr.   3 die   Gegend   von   Pyritz-Bahn,   das   Kavallerie-Regiment   der   42.   Infanterie- Division    den    Welse-Abschnitt    auf    dem    linken    Oder-Ufer,    diese    Division selbst   die   Gegend   zwischen   Stargard-Freienwalde   in   Pommern,   die   3.,   4. und   41.   Infanterie-Division   die   Linie   Resekow-Labes.   Rügenwaldermünde ist   besetzt   geblieben,   weitere   Truppenlandungen   werden   dort   erwartet.   Die rote   Flotte   war   nach   geglückter   Ausschiffung   der   Truppen   der   von   Kiel   her - kommenden   blauen   entgegengefahren,   hatte   sie   am   31. August   bei Arcona geschlagen   und   beabsichtigte   sich   gegen   Swinemünde   zu   wenden.   In   der bestimmten    Erwartung    eines    baldigen    Erfolges    der    Flotte    gegen    diesen Platz,   welcher   es   ermöglichen   würde,   die   rückwärtigen   Verbindungen   dort - hin   zu   verlegen,   setzt   das   II. Armeekorps   den   Marsch   gegen   Stettin   fort,   um von   dort   auf   dem   linken   Oderufer   gegen   Berlin   vorzugehen.   Die   Deckung und   Aufklärung    auf    dem    rechten    Oderufer    soll    die    Kavallerie-Division   A übernehmen,   die   ihr   unterstellte   42.   Infanterie-Division   folgt   über   Pyritz. Eine   Berührung   mit   dem   Feinde   ist   bisher   nicht   eingetreten.   Aus   verschie - denen   Quellen   herrührende   Nachrichten   besagen   aber,   daß   bei   Berlin   ein starkes    Korps    zusammengezogen    wird    und    daß    Spandau    und    Küstrin besetzt   und   armiert   sind.   Rot   beabsichtigte   in   der   Folge   geraden   Weges   auf Berlin   vorzugehen   und   demgemäß   zwischen   Küstrin   und   Oderberg   die   Oder zu   überschreiten,   eben   diese   Direktion   beabsichtigte   auch   das   Gardekorps einzuschlagen.   Auf   genannter   Flußstrecke   steht   zur   Verfügung   nur   eine   für alle   Waffen   passierbare   Brücke,   die   Eisenbahnbrücke   bei   Zäckerick,   weiter nordwärts   allerdings   noch   diejenige   bei   Schwedt.   Die   weitere   südwärts   bei Küstrin   gelegene   befand   sich   zu   weit   außerhalb   der   Marschdirektion,   des - halb   kam   sie   nicht   in   Frage.   Da   selbstredend   die   eine   genannte   disponible Brücke    nicht    genügte,    um    einen beschleunigten   Übergang   so   großer Truppenmassen   sicher   zu   ermögli - chen,   so   wurden   zwei   Orte,   Güste - biese   und   Nieder-Wutzow,   in   denen sich   fliegende   Fähren   befanden,   als
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Kaisermanöver in Stettin im August 1900. Im Vordergrund: Kaiser Wilhelm II. (in der Uniform der Königsjäger zu Pferde, Nr. 1) und Erzherzog Franz Ferdinand. Im Hintergrund rechts: Generalfeldmarschall Graf Alfred von Schlieffen. Bild: Bundesarchiv Bild 136-B0434 - CC- BY-SA 3.0.
Kaisermanöver in Stettin im August 1900. Im Vordergrund: Kaiser Wilhelm II. und Erzherzog Franz Ferdinand. Im Hintergrund rechts: Generalfeldmarschall Graf Alfred von Schlieffen. (Bild: Bundesarchiv Bild 136-B0434 - CC-BY-SA 3.0.) 6
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